Kein Schritt zuviel in XY
Venedig kann’s, Zermatt kann’s, XY kann’s.
Das wäre so ein Leitmotto einer Kampagne für eine autofreie Stadt. Ja, wollen mal konkret werden, heute...
Doch schon bevor ich mir unsere Stadt nur annähernd autofrei vorstellen könnte, wird mir klar, warum Venedig und Zermatt autofrei sind. In beiden Orten fehlt schlicht der Platz für die notwendigen Strassen. Das ist in XY ganz anders. Warum also sollte sich eine Stadt, die bisher schon alles fürs Strassennetz getan hat und den notwendigen Menschenverkehr sicher durch Unterführungen leitet, warum sollte eine so schöne Stadt voller Motorenlärm und stinkender Tankstellen, warum nur sollte so eine Stadt auf eine so absurde Idee verfallen, den Verkehr autofrei zu gestalten?
Und damit sind wir wieder einmal bei einem Naturgesetz. Motive, Ziele und Bedürfnisse von Lebewesen werden nicht nur durch ihre genetischen Möglichkeiten, sondern auch durch die Ökologie, die Möglichkeiten, welche ihre Umwelt zulässt, wesentlich bestimmt.
Also: Ist hier Platz, ist da Auto.
Wir wollen genau das, was gerade durch die Umwelt vorgegeben und machbar erscheint. Ja, so einfach ist das. Niemand will Fiat fahren in Venedig, weil das ökologisch doch schwer zu realisieren wäre. Jeder will hingegen Opel fahren in XY, weil das ökologisch so leicht zu haben ist. In XY müssten Menschen die ökologischen Bedingungen schon selbst ändern, damit eine autofreie Stadt überhaupt möglich wäre.
Nun, es gibt mittlerweile Interessenkonflikte zwischen den Bedürfnissen derjenigen, die mit dem Auto am liebsten direkt vom Bürostuhl bis ins Bett fahren und jenen, die in XY gerne auch mal ein paar Schritte zu Fuß gehen. So werden über die Jahrzehnte hinweg Kompromisse, Lösungen und Fortschritte aus dem verkehrspolitischen Hut gezaubert, so etwa nach dem Motto: Hier eine Schnellstrasse und dort ein kleines Reservat für Fußgänger. So sind alle halb zufrieden.
Sehr attraktiv. Was tun? Im Ernst eine Kampagne für eine autofreie Stadt führen?
Warum nicht paradox intervenieren, wie es Psychotherapeuten mit schwierigen Klienten tun:
Also eine Kampagne für die erste Stadt ohne mühseligen autofreien Lebensraum. Nach dem Motto: Kein Schritt zuviel in XY.
In diesem Projekt müssten Häuser den Strassen weichen, damit diese endlich mal genug Kapazität haben und die lästigen Staus der Vergangenheit angehören. Im Zentrum der Stadt würde eine schicke Autorennstrecke gebaut. Alle können da rasen, was die Kiste hergibt. Und ein Schumi-Denkmal darf hier nicht fehlen. Schumi mit seiner Maschine beim Boxenstopp, ein Dutzend Marsmenschen regeln den Reifenwechsel, füllen Sprit nach, alles blitzschnell wie fleißige Ameisen wirkend, aber für die Ewigkeit in Bronze gegossen. Und von weitem winkt ein Boxenluder mit ihren Silikonbrüsten. So hätten wir denn das Kapitel Kunstwerke abgehakt. Restaurants, Kinos, Theater, etc. gibt’s nur noch als Drive-Ins. Da braucht’s zwar noch den einen oder anderen Technologieschub, damit ein Theaterbesuch im Auto auch authentisch theatralisch wirkt. Das Ziel: Alle können maximal viel Zeit in ihren Autos verbringen. Wohnen in Wohnwagen, Wohnmobilen oder einfach im komfortablen PKW mit Liegesitz wird gefördert. Die notwendigen Umbauten in XY – richtig: die bringen neue Arbeitsplätze. Das Glück ist perfekt. Der Diesel dröhnt, die Wirtschaft brummt.
Ach, so was will auch niemand?
Das wäre so ein Leitmotto einer Kampagne für eine autofreie Stadt. Ja, wollen mal konkret werden, heute...
Doch schon bevor ich mir unsere Stadt nur annähernd autofrei vorstellen könnte, wird mir klar, warum Venedig und Zermatt autofrei sind. In beiden Orten fehlt schlicht der Platz für die notwendigen Strassen. Das ist in XY ganz anders. Warum also sollte sich eine Stadt, die bisher schon alles fürs Strassennetz getan hat und den notwendigen Menschenverkehr sicher durch Unterführungen leitet, warum sollte eine so schöne Stadt voller Motorenlärm und stinkender Tankstellen, warum nur sollte so eine Stadt auf eine so absurde Idee verfallen, den Verkehr autofrei zu gestalten?
Und damit sind wir wieder einmal bei einem Naturgesetz. Motive, Ziele und Bedürfnisse von Lebewesen werden nicht nur durch ihre genetischen Möglichkeiten, sondern auch durch die Ökologie, die Möglichkeiten, welche ihre Umwelt zulässt, wesentlich bestimmt.
Also: Ist hier Platz, ist da Auto.
Wir wollen genau das, was gerade durch die Umwelt vorgegeben und machbar erscheint. Ja, so einfach ist das. Niemand will Fiat fahren in Venedig, weil das ökologisch doch schwer zu realisieren wäre. Jeder will hingegen Opel fahren in XY, weil das ökologisch so leicht zu haben ist. In XY müssten Menschen die ökologischen Bedingungen schon selbst ändern, damit eine autofreie Stadt überhaupt möglich wäre.
Nun, es gibt mittlerweile Interessenkonflikte zwischen den Bedürfnissen derjenigen, die mit dem Auto am liebsten direkt vom Bürostuhl bis ins Bett fahren und jenen, die in XY gerne auch mal ein paar Schritte zu Fuß gehen. So werden über die Jahrzehnte hinweg Kompromisse, Lösungen und Fortschritte aus dem verkehrspolitischen Hut gezaubert, so etwa nach dem Motto: Hier eine Schnellstrasse und dort ein kleines Reservat für Fußgänger. So sind alle halb zufrieden.
Sehr attraktiv. Was tun? Im Ernst eine Kampagne für eine autofreie Stadt führen?
Warum nicht paradox intervenieren, wie es Psychotherapeuten mit schwierigen Klienten tun:
Also eine Kampagne für die erste Stadt ohne mühseligen autofreien Lebensraum. Nach dem Motto: Kein Schritt zuviel in XY.
In diesem Projekt müssten Häuser den Strassen weichen, damit diese endlich mal genug Kapazität haben und die lästigen Staus der Vergangenheit angehören. Im Zentrum der Stadt würde eine schicke Autorennstrecke gebaut. Alle können da rasen, was die Kiste hergibt. Und ein Schumi-Denkmal darf hier nicht fehlen. Schumi mit seiner Maschine beim Boxenstopp, ein Dutzend Marsmenschen regeln den Reifenwechsel, füllen Sprit nach, alles blitzschnell wie fleißige Ameisen wirkend, aber für die Ewigkeit in Bronze gegossen. Und von weitem winkt ein Boxenluder mit ihren Silikonbrüsten. So hätten wir denn das Kapitel Kunstwerke abgehakt. Restaurants, Kinos, Theater, etc. gibt’s nur noch als Drive-Ins. Da braucht’s zwar noch den einen oder anderen Technologieschub, damit ein Theaterbesuch im Auto auch authentisch theatralisch wirkt. Das Ziel: Alle können maximal viel Zeit in ihren Autos verbringen. Wohnen in Wohnwagen, Wohnmobilen oder einfach im komfortablen PKW mit Liegesitz wird gefördert. Die notwendigen Umbauten in XY – richtig: die bringen neue Arbeitsplätze. Das Glück ist perfekt. Der Diesel dröhnt, die Wirtschaft brummt.
Ach, so was will auch niemand?
tom-ate - Montag, 14. Dezember 2009, 12:49

Kenne ich auch aus diversen 'Psycho'-Büchern... in der Praxis bin ich bisher aber glaube ich noch nie dazu gekommen mal damit mein Glück zu versuchen...
Aber ich muss sagen: Die Idee hat Charme :)!
Jetzt müsste mir nur noch ein Fall einfallen, wo deren Anwendung wirklich Sinn macht...