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Montag, 23. November 2009

Vom Schwinden der Deutschen...

40 bis 60 Prozent des Anstiegs der Kohlendioxid-Emissionen seien auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, erklären der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) und die Deutsche Stiftung für Weltbevölkerung.

Hört, hört: Ein Tabu ist gebrochen.

Mehr Verbraucher verbrauchen mehr.

Mehr Verschmutzer verschmutzen mehr.

Eigentlich eine einfache Rechnung. Doch darüber hat man nicht gesprochen. Im Gegenteil.

Menschen ohne Nachwuchs gelten eher als Egoisten, die pro Kopf mehr Ressourcen verbrauchen als Familienmenschen. Ja, wenn man nur den Moment in Rechnung stellt, stimmt das im Schnitt sogar.

Es soll nun aber anscheinend doch so etwas wie eine Zeitdimension geben in unserer Wirklichkeit. Wie sieht denn die Ökobilanz der kinderlosen „Egoisten“ im Vergleich zu den angeblich so „genügsamen“ Reproduzenten aus? Das hängt vor allem vom Multiplikationsfaktor ab. Nach mehreren Generationen ist die Rechnung wohl jedem klar.

Gut. Jeder soll sich nach seinem Gusto vermehren (dürfen). Eine Ein-Kind-Politik wie in China ist keine humane Lösung. Aber jedeR soll sich überlegen, was es ihr/ihm wert ist, sich zu vermehren. Mich stören die nicht enden wollenden Begehrlichkeiten der angeblichen „Altruisten“: mehr Kindergeld, noch mehr Kindergeld, Steuerabzüge für Kinder, noch höhere Steuerabzüge, Krippen zum Nulltarif oder noch günstiger, damit die „Altruisten“ mit Vollgas arbeiten können und der Nachwuchs auf Staatskosten erzogen und durchgefüttert wird.

Das ist nichts anderes als eine Umverteilung der Einkommen von den „Egoisten“ zu den „Altruisten“. Begründet wird dies mit der späteren Nützlichkeit des Nachwuchses für die Gesellschaft.

Dass jedeR seinen Beitrag für Schulen, Ausbildungsstätten und Universitäten zahlt, ist völlig in Ordnung. Damit bezahlt sie oder er sozusagen seine eigenen Ausbildungskosten zurück. Im übrigen ist in Bildung zu investieren eh das Beste, was wir im Interesse aller tun können. Aber damit sollte die Subventionierung des Kinderkriegens auch beendet sein.

Gemäss Plänen der UNFPA sollen in Zukunft die Geburten vor allem in Lateinamerika, in Arabien und in Ost- und Südafrika zurückgehen, damit weniger Klimaschaden angerichtet werde.

Das Problem: Die Entwicklungshilfe hierzulande für die Familienplanung in der Dritten Welt ist im Vergleich zu 1995 halbiert worden. Und damals hat es schon nicht geklappt mit der Familienplanung...

Im Gegensatz zur Schweiz gibt es aber in Deutschland eine große Trendwende zu feiern. Deutschland nimmt bevölkerungsmässig seit etwa sieben Jahren schon minim ab. Super. Tonnen weniger Kohlendioxid sind garantiert.

Doch in allen Medien werden Abnahme der Bevölkerung mit Katastrophe gleichgesetzt und die angeblich fatalen Folgen des negativen Bevölkerungswachstums thematisiert. Reflexartige Dummheit der Brutpflegemotivierten und Wachstumseuphoriker oder berechtigte Sorgen? Ein Beispiel von Stern.de:

Deutschland Schlusslicht in Europa

In Deutschland war die Debatte um die richtige Familienpolitik am Montag erneut aufgeflammt, nachdem das europäische Statistikamt Eurostat denkbar schlechte Geburtenzahlen für Deutschland vorgelegt hatte. Den Statistikern zufolge sind die Deutschen beim Kinderkriegen europaweit Schlusslicht.


Soso: denkbar schlecht... Die demografische Entwicklung einer rückläufigen und immer älter werdenden Bevölkerung stellt allerdings einige Herausforderungen an uns alle. Doch sind diese auf lange Sicht vergleichsweise harmlos verglichen mit der Alternative einer weiter wachsenden Bevölkerung. Folgende Massnahmen würden helfen, die Probleme auf Grund der verbeulten Alterspyramide zu lösen:
  • Prävention und Gesundheitsvorsorge: Wenn Menschen sich im Rahmen der Megamaschine, die uns weitgehend beherrscht und einem die Verantwortung für sich selbst abzunehmen scheint, nicht mehr einfach gehen lassen, nicht mehr unnötig mit dreißig oder vierzig Jahren schon eine Altersdiabetes oder andere Zuvielisationskrankheit einhandeln, könnten viele medizinische Ressourcen, insbesondere Pflegekräfte, vom Unnötigen hin zum Unausweichlichen verschoben werden. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es finanzielle Anreize fürs Gesundbleiben und nicht, wie es heute leider der Fall ist, fürs – unnötige – Krankwerden.
  • Anstelle von Militärdienst, ab in die Alterspflege: Auch müssten gesunde jüngere Menschen möglicherweise verpflichtet werden, gewisse zumutbare Arbeiten in der Betagtenpflege ehrenamtlich zu übernehmen. Was früher Familien selbstverständlich aufgefangen haben, muss nun die Gesellschaft den entwurzelten Individuen zugute kommen lassen.
  • Höhere Kosten der Betagtenpflege müssten direkt über die steigende Arbeitsproduktivität gedeckt werden: Die Finanzierung dieser steigenden Kosten muss direkt bei den Unternehmen, bei den Wertschöpfenden gesichert werden. Unternehmen mit hoher pro Kopf-Produktivität, sprich mit hohem Automatisationsgrad, müssten entsprechend ihrer Wertschöpfung höhere Beiträge abliefern. Pro Kopf könnten, solange die Wirtschaft insgesamt immer höhere Produktivität erreicht, höhere Versicherungsbeiträge für die zu erwartende Betagtenpflege umgelegt werden.
  • Mit diesen Massnahmen würde der Einsatz von Robotern in der Betagtenpflege, wie er von Politik und Industrie hinter den Kulissen längst geplant ist – worüber man aber natürlich nicht gerne spricht – praktisch überflüssig werden.
Wir brauchen nicht mehr Deutsche, wir sterben nicht aus, auch wenn wir in 40 Jahren vielleicht nur noch 60 Millionen wären.

Wären nur noch 60 Millionen Deutsche irgendwie für irgendjemand wirklich ein Problem?

Mittwoch, 11. November 2009

Deutschland verliert großen Tierfreund



Robert Enke - RIP

Sonntag, 8. November 2009

Politisch korrekt in den Bürgerkrieg?

Rechts außen tut sich was. Neonazis werden von der neuen Rechten links liegen gelassen. Die neue Rechte in Europa ist mitnichten antisemitisch, leugnet keineswegs den Holocaust. Im Gegenteil: Israel und die USA sind ihre wichtigsten Verbündeten im Geiste. Der Grund leuchtet ein: Mit Neonaziparolen ist in Mitteleuropa in absehbarer Zeit kein Blumentopf zu gewinnen. Die Medien haben zwar den Zuwachs von Wähleranteilen, aber nur ungenügend den Paradigmawechsel bei den Parteien rechts außen thematisiert. Deshalb dieser etwas längere Beitrag.

Die neue Rechte bedient sich also eines anderen, wirklich großartigen Angebots auf dem Markt der politischen Sündenböcke. Großartig deshalb, weil sie bei ihrem tun politisch vollkommen freie Bahn haben. Keiner konkurriert mit ihnen um diese Thematik. Im Gegenteil wird versucht, die von den Rechten angesprochene Problematik mit politischer Korrektheit – nein, nicht mit Argumenten zu widerlegen – sondern einfach zu leugnen. Dies mit der eher wenig durchdachten Erwartung, die Rechte disqualifiziere sich selbst, allein deshalb, weil sie politisch rechts stehe.

Das ist das wahre Übel. Tabuisierung real existierender gesellschaftlicher Probleme führen über kurz oder lang in die Katastrophe. Doch, genau so ist es:

Tabuisierung real existierender gesellschaftlicher Probleme führen über kurz oder lang in die Katastrophe.

Wohin solche „politisch korrekte“ Tabuisierung führt, hat uns zum Beispiel die jüngere Geschichte Jugoslawiens gezeigt. Im Titostaat durften die verschiedenen Nationalitäten nicht mehr als eigenständige Kräfte wahrgenommen werden. Kroaten, Serben, Bosnier, Kosovaren, etc. hatten per Dekret keine Probleme mehr untereinander zu haben. Diese waren schliesslich durch den sozialistischen jugoslawischen Vielvölkerstaat „aufgehoben“ (Gruß an die Dialektiker...). Und falls es jemand wirklich verpasst haben sollte: In der Nach-Tito-Ära war dann doch ziemlich Krieg und Kriegsverbrechen und zwar entlang ethnischer, religiöser und sprachlicher Grenzen, die zuvor als überwunden galten.

Zurück zum Thema der neuen Rechten bzw. ihren Prügelknaben. Letztere sind heute die eingewanderten Muslime aus aller Welt, allen voran diejenigen aus der Türkei. Das ideologische Feld hat Bush mit seinem Krieg gegen den islamistischen Terror vorbereitet. Nun kann auf diesem Boden der prioritären Terrorbekämpfung und beim mittlerweile wirklich erdrückenden Bevölkerungsanteil von ca. 4 % Muslimen der Kampf gegen die angebliche Islamisierung unserer Gesellschaft aufgenommen werden. Rechts außen kann man jetzt getrost darauf setzen, dass in den letzten Jahren die Begriffe Islam, Terror und Gewalt schon fast Synonyme geworden sind.

In der Schweiz steht die Anti-Minarett-Initiative zur Abstimmung mit der künftig der Bau von Minaretten – als scheinbar aggressive, an Raketen erinnernde Symbole des sowieso aggressiven Islams – verboten werden sollen. Sinn und Zweck der Initiative ist laut deren Verfasser – natürlich nichts Geringeres als der Kampf gegen die angeblich schleichende Islamisierung unserer Gesellschaft.

Was tut die Linke? Klar, mutig Gegenposition beziehen, reflexhaft und politisch korrekt gegen rechts. Warum das falsch ist, soll im Folgenden dargelegt werden.

Zuerst: wer steht hinter der neuen Rechten? In der Schweiz ist es die größte Regierungspartei, die SVP, eine Partei mit Tradition. Die konservative SVP war zuerst, dann kam der Paradigmawechsel hin zum Antiislamismus. Und genau an dieser Stelle sollte man aufhorchen:

Diese konservative Partei war zuerst, dann kam der Paradigmawechsel hin zum Antiislamismus.

Ähnlich in Österreich die Entwicklung der FPÖ („Daham statt Islam“). Nur in Deutschland sind die etablierten Parteien noch allesamt politisch korrekt, an der Oberfläche wenigstens...

Die Dynamik dieses Prozesses sollte verstanden werden. Jedes einzelne Individuum ist natürlich niemals zu hundert Prozent sozialistisch, sozialdemokratisch, grün, liberal, konservativ oder rechtsradikal. Nein, dieses Spektrum ist in jedem Einzelnen präsent, in jedem! Nur mit verschiedenen Anteilen, so dass sich Stichproben mit scheinbar stabiler linker und solche mit scheinbar stabiler rechter Gesinnung bilden lassen. Eben, nur scheinbar stabil. Die intraindividuellen politischen Anteile können sich schnell verschieben. Reihenweise fallen zurzeit sich selbst bislang links oder liberal Wähnender durch alle Maschen bis runter in den Sumpf des Antiislamismus. Die wichtigsten Ausgangsbedingungen habe ich erwähnt: Krieg gegen Terror der Al Kaida bzw. die über Jahre multimedial zelebrierte Schlacht zwischen bedrohtem Abendland und den Islamisten. Und eine zwar kleine, aber wahrnehmbare Minderheit von Migranten aus dem islamischen Kulturkreis. Fremde Sprache, fremde Religion, anderes Aussehen, anderes Verhalten – genug, um beim Kampf um begrenzte Ressourcen Zwischengruppenkonflikte auszulösen.

Um das zu begreifen, sollte man etwas von Biologie verstehen. Offensichtlich, denn politische Argumentation erschöpft sich in Platitüden wie: Wir sind entschieden gegen jede Form von Diskriminierung von Minderheiten. Löblich, aber dümmlich, wenn man nicht weiß, wie Zwischengruppenkonflikte entstehen. Und dies wiederum, weil man Verhaltensbiologie nicht kennt, oder noch blöder, weil man Verhaltensbiologie als ideologische Grundlage der Rechten zu verstehen wähnt. „Das ist doch biologistisch“ heißt es allenthalben, bar jedes Verständnisses, was denn überhaupt Leben, was der Mensch und letztlich die Gesellschaft wirklich ist. Ob ein Kampf um Ressourcen – in diesem Zusammenhang vereinfacht gesagt, ob ein Kampf um ein Land, und sei es zunächst nur in Wahnvorstellungen – stattfindet, hängt vom Streitwert der begehrten Ressource, der Einschätzung der Chancen, den Kampf gewinnen zu können und den vermutlichen Kosten, die durch den Kampf entstehen, ab. Die Evolution hat dafür gesorgt, dass alle höheren Tiere, inklusive homo „sapiens“, mit dieser intuitiven Mathematik mehr oder weniger gut umgehen können. Denn das Ignorieren dieser Limite führt in der Regel zu eigenen Verletzungen, welche wiederum die inklusive Fitness beschädigen. Sprich: Wir ignorieren diese Gleichung nicht, weil es schließlich für uns das Beste ist.

Das Problem für den „sapiens“ liegt jedoch in der Wahrnehmung einer nicht zu seiner Kognition passenden Gesellschaftsstruktur. „Sapiens“ ist mit seiner eigenen Staatenbildung überfordert, wie ich früher zum Beispiel hier dargelegt habe. Zudem gibt’s zwischen Wahn und Wahrnehmung leider keine sichere Trennwand, sondern fließende Übergänge. Die Bedrohung der Nutzung eigener Ressourcen durch Migranten wird schnell überschätzt, weil sie durch ihr anderes Äußeres und anderes Verhalten überproportional mehr Gewicht in unserer Wahrnehmung erhalten. Allerdings besteht durch das globale Bevölkerungswachstum eine wirkliche Begrenzung der Ressourcen pro Kopf, was den Sachverhalt kompliziert und somit manchen „sapiens“ in geistige Konfusion stürzt. Zudem gibt es ein verhängnisvolles Wettrennen weg aus der Armut und hin zu den vollen Töpfen, sprich die weltweite Migration ist ein verdammter Kampf um die besten Futternäpfe. Wir sitzen am vollsten Napf und natürlich will man diesen Platz verteidigen.

So dann werden die Kosten eines Kampfes, sprich Krieges, um den Erhalt der Heimat (oder einfacher: um den Erhalt des vollen Futternapfes), sprich gegen die angebliche Islamisierung, zunehmend ignoriert. Das hat schon Bush getan mit seinen Einmärschen in Afghanistan und Irak. Unter diesen von Bush verursachten Kosten leiden wir, aber vor allem die USA, immer noch und ein Ende ist nicht abzusehen. Wir sind heute in Mitteleuropa nun massiv der Gefahr ausgesetzt, kollektiv die Kosten des verführerischen Antiislamismus zu unterschätzen. Auch wenn es vorerst ein Krieg mit Worten ist. Die Kosten sind jetzt schon ersichtlich: Verlust humanistischer Errungenschaften auf breiter Front. Latente Gewaltbereitschaft. Eine Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas, eine Verschiebung und Vereinfachung der Wahrnehmung von gesellschaftlich relevanten Problemen.

Wir haben oben behauptet, dass die Tabuisierung realer Probleme ins Verderben führt. Aber noch nicht gesagt, was tabuisiert wird. Es geht um folgendes Unthema: Zusammenhang von Migration, kulturellem Hintergrund im Herkunftsland und Ausmaß der angewandten Gewalt bzw. der Gewaltbereitschaft – welche Zusammenhänge bestehen da? Dazu gibt’s keine brauchbaren wissenschaftlichen Studien. Das zuständige Fachgebiet, die Soziologie, ist quasi die Brutstätte der politischen Korrektheit. Wie könnte auf dem Boden von scheinbar ethisch motivierten Prämissen über die Zulässigkeit von soziodemografischen Fragen und Aussagen etwas Brauchbares über Zusammenhänge herausgefunden werden, wenn die meisten Hypothesen gar nicht ernsthaft geprüft werden dürfen? Mit Hilfe von Statistik manipuliert nicht nur die Handyindustrie seit Jahren – beinahe immer erfolgreich – in ihren Studien die Hirntumore weg. Das geht so weit, dass einzelne Ergebnisse suggerieren, wer handyfoniert, reduziere gar sein Tumorrisiko. Nicht nur die Pharmaindustrie manipuliert – beinahe immer erfolgreich – Studien, so dass ihre eigenen Medikamente immer die besten auf dem Markt zu sein haben. Warum sollten da die Soziologen hintan stehen? Statistik im Dienste einer besseren Welt, da ist doch nix dagegen einzuwenden? He? Kulturelle Unterschiede als Ursache für ein anderes Verhältnis zu Gewalt kann es a priori gar nicht geben, denn die anderen Faktoren, wie soziale Schichtzugehörigkeit, Bildung, Konsum von Gewaltvideos und PC-Spielen erklären den hässlichen, nicht korrekten Faktor kulturelle Unterschiede zum Glück einfach weg.

Super gelaufen, liebe Fachleute.

Nur, kaum einer glaubt’s euch.

Eben doch dumm gelaufen. Aber in der eigenen Selbstgerechtigkeit ignoriert man nicht nur mögliche Zusammenhänge bei der Untersuchung der Frage nach den Ursachen zunehmender Gewalt in unserer Gesellschaft, nein natürlich auch die Folgen des Leugnens. Das Tabu, die Weigerung hinzuschauen, öffnet das neue braune Scheunentor, die Massen strömen dankbar hinein. Auf „topblogs.de“ findet sich zum Beispiel der mit Abstand meistbesuchte Politblog „Fact – Fiction“. Hauptthema: Antiislamische Beiträge und Kommentare. Täglich klicken da viertausend Leute rein, schreiben sich politisch unkorrekt ihren Frust von der angeblich gedemütigten teutonischen Seele. Dort herrscht Vor-Kreuzzug-Stimmung.

Und jetzt? Zur Tagesordnung? Fachmensch ist im Recht, also vielleicht „Fact – Fiction“ und andere Störgeräusche verbieten?

Nein, ihr lieben Fachleute, ihr müsst noch mal über die Bücher. Rassismus ist Diskriminierung und Schlimmeres gegen Angehörige anderer Rassen und Kulturen. Mitnichten aber ist die objektive, vorurteilsfreie Analyse von Gewalttaten und anderen Delikten, was den Faktor der Herkunft von Tätern einschließt, Rassismus. Verdammt: Dies nicht zu analysieren sondern zu leugnen, gebiert erst das Monster.

Es gibt Fälle, da ist der Zusammenhang sowieso klar. Oder wie wollt ihr politisch korrekten Pappnasen Ehrenmorde von Türken an Türken als Ausdruck von sozialer Schichtzugehörigkeit erklären? Warum gibt’s dann in der deutschen Unterschicht keine Ehrenmorde? Sollte man wohl direkt erfinden, damit die eigne Welt weiter Kopf stehen kann?

Dass der Antiislamismus vereinfachend allen Muslimen Dominanzstreben, wenn nicht sogar Gewaltbereitschaft unterstellt, ist das typische Muster für eine erfolgreiche rechtsradikale Kampagne. Vereinfachen, unterstellen, dramatisieren, Sündenböcke gleich für alles, was schief läuft, zu liefern, das ist die Erfolgsstory rechtsaußen und genauso war es früher bei den Nazis.

Und die Linke tappt (wieder einmal) in die Falle. Das medial seit dem 11. September 2001 permanent hochgekochte Bedrohungsszenario zusammen mit den unsäglichen Geboten der politischen Korrektheit der Linksliberalen, die sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ zunehmende Gewalt in unserer Gesellschaft, hebt die neue Rechte auf den Schild. Linke Helden entblöden sich nicht, gegen Rechts Sturm zu laufen, ohne die Situation kritisch zu analysieren.

Und so mancher linke Held findet sich selbst alsbald im neuen braunen Sumpf wieder. Mit USA und Israel als geistigen Verbündeten ist das ja nicht wirklich schlimm. Mal bei den Siegern sein, ist ja auch schön...

Also, was wäre zu tun?

Weg mit den ideologischen Scheuklappen, Hinschauen, Analysieren, Zusammenhänge beim Namen nennen, in der entstehenden neuen rechten Szene deeskalierend eingreifen, Migrationsströme regulieren, konsequent gegen Gewalt, von wem auch immer ausgeübt, auftreten, Integration und Dialog zwischen den Kulturen fördern.

Auch wenn man selbst nicht an den Schalthebeln der Macht sitzt. Alle könnten einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Sonntag, 1. November 2009

Glück der Primitiven

Am glücklichsten bin ich dann, wenn ich den Alltag, meine Ziele, meine Aufgaben, sogar die Rechnung mit dem Wirt loslassen und wie ein kleines Kind einfach ziellos durch die Natur streifen kann.

Die Psychoanalytiker nennen das Regression und finden's primitiv.

Macht nichts und dankeschön.



PS: alles ok, brauche keinen Therapeuten.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Friendly Fire im Fließgleichgewicht

Ein Menschlein wird geboren und wächst auf in:

- einer Familie oder bei sonst wie definierten Betreuungspersonen
- einer bestimmten historischen, d.h. kulturgeschichtlich determinierten Zeit
- an einem bestimmten geografischen Ort, d.h. wiederum noch genauer kulturgeschichtlich determiniert
- in einer bestimmten Sprachregion, d.h. wiederum...
- in einer durch eine vorherrschende religiöse Gemeinschaft dominierten spirituellen Tradition, d.h. ...

Das wissen wir ja. Aber.

Dennoch diese Auflistung unserer Determinanten ist Schwindel erregend.

Was und wie ich denke, ist durch diese Einbettungen meiner Existenz, weitgehend vorgebahnt, obwohl ich mir einbilde, selbständig und frei denken zu können. Die Meisten würden spontan behaupten, wirklich aus freien Stücken für eine politische oder weltanschauliche Sache einzutreten.

Ich bin aber nur Teil eines mehr oder weniger stabilen Fließgleichgewichts natürlicher, gesellschaftlicher und kultureller Gesetze. Alles ist bedingt.

Die Kerzenflamme ist das Fließgleichgewicht, meine Einbettung. Und ich bin das Molekül, für kurze Zeit hindurch geisternd, die Flamme zu formen wähnend.

Das ist das Geheimnis und die Basis konservativen Denkens.


Gerate ich, aus welchem Grund auch immer, in intellektuellen Widerstand mit einem Aspekt meiner Einbettung, so entsteht eine motivationale Spannung und damit ein Bedürfnis nach Veränderung, nach Spannungsabbau.

In aller Regel werde ich mich für die Veränderung meiner selbst entscheiden, um den inneren Frieden wieder herzustellen. Sich gegen die Flamme aufzulehnen, wird kaum Erfolg haben.

Z.B.: Bedrohung durch Klimawandel? Reaktion frei nach den Freidenkern: Da ist wahrscheinlich kein Klimawandel. Also sorg’ dich nicht und genieße das Leben.

Das ist die konservative Erfolgsgeschichte.

Es gab und gibt folglich keine Revolutionen, wie sie sich vielfältig ausgedacht und herbeigesehnt worden sind. Es gab im Wesentlichen nur Hungeraufstände und Gefängnisrevolten – und danach die Restauration bis hin zu den Monstern Napoleon und Stalin.

Somit ist auch klar, dass ein konservativer Standpunkt keine Denkleistung beansprucht. Fürs Mitfließen wird wahrlich wenig Intelligenz benötigt.

Ein progressiver Standpunkt ist nun per se auch nicht intelligent, wenn man sich die erwähnten Einbettungen der Subjekte vergegenwärtigt und sich zugleich die Geschichte gescheiterter progressiver, „revolutionärer“ Versuche vor Augen führt.

Nicht nur in der Frage der Verteilungsgerechtigkeit, sondern ganz allgemein macht es überhaupt keinen Sinn, sich in konservative und progressive, in rechte und linke Strömungen einzuordnen. Wir erleben tagtäglich den Bankrott dieser Politspiele auf der medialen Weltbühne.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Ich - virtuell?

Ergänzend zum letzten Beitrag noch eine Analogie:

300px-Kanizsa_triangle-svg

Unwillkürlich "sehen" wir ein Dreieck, das auf der Spitze steht, obwohl es gar keine Konturen hat. Der geringe Kontrast ist ungewöhnlich für diese Abbildung, unterstreicht jedoch nur das Mysterium der Wahrnehmung. Diese Gestaltwahrnehmung, die kognitiven Konturen, die nicht der Realität entsprechen, sind uns von Natur her gegeben, bzw. unser Hirn konstruiert diese Gestalt für uns, wahrscheinlich weil die verarbeitenden Hirnareale diese Gestalt als nützlich bewerten.

Ebenso verhält es sich mit unserem Ich. Wir nehmen es unwillkürlich als natürliche, reale Einheit wahr, obwohl es genau so virtuell ist, wie das so genannte Kanizsa-Dreieck.

Dennoch kann man mit seiner eigenen Virtualität ja recht gut leben...

Samstag, 24. Oktober 2009

Bin ich ein Zombie?

Unser Ich ist eine aus Bausteinen unseres bewussten Erlebens bewerkstelligte Konstruktion. Wahrnehmung, Gedächtnis und Fokussierung auf das eigne kognitive Subjekt sind die Eckpfeiler dieser Konstruktion. Unser Hirn verarbeitet die relevanten Wahrnehmungsreize und speichert sie ab, indem diese mit dem bereits vorhandenen Gedächtnisinhalt abgeglichen werden. Dies ist beständige Arbeit - top-down (Informationsstrom aus dem Gedächtnis) und bottom-up (Informationsstrom aus den Sinneswerkzeugen) wird ständig gewerkelt im Hirn. Aus dieser Hirntätigkeit emergiert das bewusste Erleben.

Das ist biologische Informationsverarbeitung auf hohem Niveau. Die Frage ist nur, warum wir diese Arbeit bewusst erleben. Was ist der Vorteil davon? Wir könnten als (philosophische) Zombies rumlaufen, das gleiche tun, was wir tun, aber es nicht ichhaft erleben und somit auch nicht reflektieren. Wir hätten eben einfach gar kein Ich.

Erleben Tiere bewusst oder sind sie Zombies? Niemand kann darauf eine befriedigende Antwort geben. Jedenfalls ist tierisches Bewusstsein für Menschen sprachlos.

Es gibt Philosophen, wie Daniel Dennett, die der Auffassung sind, nicht nur Tiere, sondern auch wir Menschen, seien in Wirklichkeit so etwas wie Zombies. Qualiaeliminativismus nennt er das - vielleicht die radikalste Form des philosophischen Materialismus. Diese These schlägt der alltäglichen Erfahrung genauso ins Gesicht wie der Solipsismus am anderen Ende der philosophischen Spielarten.

Da es sich beim Ich aber um ein Konstrukt, basierend auf der fortwährenden Hirnaktivität handeln muss, hat dieses immaterielle Ich - oder anders gesagt: der Bedeutungsgehalt des neurophysiologischen Korrelats dieser Konstruktion - keine Entsprechung in der Realität. Ein Ich ist objektiv nirgends gegeben, sondern wird laufend konstruiert, ist mithin eine permanente Baustelle, oder ein Modell, oder eine Simulation.

Das ist im Kern das Gleiche wie Buddha schon vor langer Zeit gesagt hat: Es gibt kein Ich. Wir bilden es uns nur ein.

Doch die Konstruktion einer virtuellen Einheit namens Ich geschieht zwangsläufig auf der Basis der oben beschriebenen Hirnaktivität. Sie ist dem Menschen Natur. Eigentlich kann er gar nicht anders, als diese Emergenz, diese Baustelle - die er der Evolution verdankt - als seinen Kern, sein Ich, begreifen.

Die Zombie-Philosophie und etwas abgeschächt auch die Infragestellung des freien Willens erschüttern in den letzten Jahren das Selbstverständnis der Menschen, die sich diesen Themen stellen.

Die Überwindung des egozentrischen, aber dennoch natürlichen Bewusstseinsmechanismus, die Loslösung von der Illusion des Ichs, bringt nach Buddha Freiheit, höchstes Glück und das Verschwinden im Nirvana.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Torten gefällig?

Heute versuch ich mich mal als Tortenbäcker. So verlockend es auch ist, sich weiterhin mit Fragen des Bewusstseins oder der Quantenverschränkung zu beschäftigen... nun zurück zu Leichtverdaulicherem, wobei auch die eine oder andere Torte durchaus erstmal verdaut werden will.

Woher-

Motive

Klassen


Die drei Torten sind ohne Rezeptbuch, also ohne Grammangabe, einfach locker produziert. Deshalb müssen sie wohl „Fehler“ enthalten. Das ist jedoch egal. Vielmehr ist der Zusammenhang dieser drei Torten wichtig. Erst wenn man alle drei gegessen hat, erweitert sich der Geschmackssinn. In diesem Sinne: guten Appetit!

Dann stellt sich auf einmal auch die Kuchenfrage anders: Wie soll man den Kuchen gerecht verteilen? Diese Frage ist losgelöst von diesen Torten keinen Rülpser mehr wert.

Die erste Torte: „Woher der Kuchen wirklich kommt“ soll grafisch darstellen, dass unser Reichtum in den Industrienationen, auch hier in Mitteleuropa, durch Globalisierung, Transfer von Wertschöpfung und anderer „Marktmechanismen“, nicht primär von unserer eigenen „Arbeit“ stammt, sondern überwiegend von so genannten Schwellenländern (Indien, China, Brasilien, etc.) abgeschöpft wird und vor allem im Rohstoffbereich und bei der Abfallentsorgung auch aus Ländern der Dritten Welt (Afrika, Südostasien) stammt.

Der Verzehr dieser Herkunftstorte bestimmt sehr direkt die Anteile der Motivstrukturtorte. Diese Motivstruktur so tortenmässig festzulegen, ist heikel, denn Motive treten situationsspezifisch auf. Insofern sind Motive kontextabhängig und variabel. Dennoch hier der Versuch, eine Durchschnittstorte in durchschnittlich gedachten Kontexten zu kreieren. Überwiegen tun auf dem Fundament des globalen Wohlstandstransfers hierzulande ganz einfach Faulheit und Suchtverhalten (inklusive Konsumsucht).

Und genau deshalb bewegt sich hier politisch nichts mehr. Oder wenn, dann nur noch in die falsche Richtung.

Ebenso beeinflusst die „Woher“-Torte die „Klassen“-Torte. Bauern braucht’s kaum mehr. Die Landwirtschaft ist quasi industrialisiert. Und der Welthandel spült billige Agrarprodukte aus Billiglohnländern in unsere Supermarktregale. Arbeiter und einfache Angestellte, das „Proletariat“ also, ist sicher noch in einer Mehrheitsposition, auch wenn diese bröckelt. Immer größer dürfte der Anteil der unmittelbaren Profiteure werden. Indirekt profitieren natürlich alle von den sensationellen Tiefpreisen der made in China Warenflut. Immer mehr können auf diesem Globalisierungsfundament sich als selbständig Erwerbende durchschlagen.

Nicht wirklich produktiv sind die „Staatsverwalter“ und die Langzeitarbeitslosen. Beide „Klassen“ werden anteilmäßig größer und müssen vom Gesamtsystem ernährt werden. Dekadenz und dennoch soziales Elend, aber auf hohem Niveau sozusagen...

Der Skandal fürs Kapital ist dann aber die Tatsache, dass sich auf der Teppichetage der Unternehmen ein extrem gieriger, schmarotzender neuer Stand etabliert hat, was der Preis der Entwicklung riesiger multinationaler Unternehmen ist. Diese Manager sollen im Interesse des Kapitals wirtschaften, sie tun es jedoch nur in ihrem eigenen. Sofern sich ihr Interesse mit der des Kapitals deckt, so könnten die Aktionäre zufrieden sein. Die aktuelle Finanzmarktkrise offenbart jedoch das Gegenteil. In der Krise leidet der Kapitalist und findet sich in den Klauen einer immer stärker werdenden Klasse von Spitzenmanagern wieder.

Ein bitteres Tortenstück. Hier ist also noch ein bisschen Stoff für Klassenkampf...

Montag, 5. Oktober 2009

Kampf dem Altern

Neues vom Jungbrunnen:

Spermidin stoppt Zellalterung.

Könnte ein Riesengeschäft werden...

Sonntag, 4. Oktober 2009

Jenseits der Verteilungsgerechtigkeit

Ein paar Tage nach der Wahl kann man sich ja mal fragen, um was es eigentlich jeweils geht bei diesen wiederkehrenden Parteien- und Personenlotterien.

Zunächst: in der Krise wird rechts gewählt, nicht links, könnte man analysieren, oder lamentieren. Rechts-links-rechts-links... immernochundimmerwieder.

Es geht bei dieser vorherrschenden Politdimension fast ausschließlich um die Verteilung des Kuchens, um „soziale Gerechtigkeit“ oder aus der anderen Perspektive betrachtet, um die Frage, ob sich Engagement (wirtschaftlicher Art) für das Steuern zahlende Subjekt lohnen tut. Je nach Position also ein bisschen verschieden. Einig sind sich aber alle: Für sichere Arbeitsplätze steht unsere Partei ein. Das ist das scheinbar nötige Zugeständnis ans Wahlvolk, das somit primär als Arbeitsvolk angesprochen wird. Interessant. Leben wir primär um zu arbeiten?

Von einer Marsmenschenperspektive (manchmal gut, die einzunehmen) betrachtet, geht’s also um die Verteilung der Ressourcen auf verschiedene Interessen- und Bevölkerungsgruppen. Das wiederum ist nur ein kultureller Abklatsch des wahren Ressourcenkampfs, wie er nun mal in der biologischen Welt bisher allgemein vorherrscht. Politik also nichts anderes als Ausdruck kulturell verbrämter naturwüchsiger Populationsregulation?

Wir hätten allerdings genug Probleme zu regeln. Das wissen wir und auch die Politiker und Parteien. Doch wir lassen uns nicht vom Fokus auf den Verteilungskampf abbringen, sei der Kuchen inzwischen noch so groß. Deshalb wählen wir links oder rechts, je nachdem ob wir uns durch Steuersenkungen oder von höheren Sozialleistungen mehr erhoffen.

Das Ganze ist recht primitiv. Es geht um Futterneid und Mundraub, bzw. um Betrügereien in grossem und kleinerem Stil. Nicht jeder schafft es, ein veritabler Madoff zu sein – und dann auch nicht erwischt zu werden.

Keine wirklich neue Botschaft: Das Links-Rechts-Schema müsste überwunden werden. Unsere Gesellschaft benötigt stattdessen eine schonungslose Analyse technischer, demografischer, sozialer und kultureller Schwachstellen vor Ort im Kontext aller bekannten globalen Baustellen. Zudem eine Perspektive, die nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Vor vielen Jahren sind die Grünen mit diesem Anspruch als radikale Bewegung angetreten. Heute heißt grüne Politik ausschließlich Realpolitik, was sich im Postenschacher in Koalitionsverhandlungen zu erschöpfen droht.

Nun, wir wissen: die Halbwertszeit einer Regierung beträgt so ca. zwei Jahre. Wie viel Nachhaltigkeit ist da überhaupt zu erwarten? Die Grünen haben sich in der Frage der Verteilungsgerechtigkeit links positioniert. Dies ist weder erstaunlich noch bedenklich.

Es wäre auch ok. Wenn sie mit dieser Positionierung nicht seit Jahren ihr früheres Profil als Partei für eine gesellschaftliche Erneuerung ruiniert hätten. Wo sind die Visionen geblieben? Die Grünen müssten aus ihrem Realomief aussteigen, wobei ich zweifle, ob das noch möglich ist.

Es ginge dann darum aufzuzeigen, wie eine ökologisch nachhaltige Wirtschaft langfristig gesteuert werden kann, ohne Diktatur und Missbrauch, im Einklang mit menschlichen Motiven und Bedürfnissen. Und wie der Weg dahin aussehen könnte. Das ist ein bisschen etwas anderes als darüber nachzudenken, wie man sich möglichst schnell in eine Koalition mit Wachstum-um-jeden-Preis-Parteien hineinverhandelt.

Vielleicht sollte man mal wieder Logik der Rettung (Volltext) von Rudolf Bahro lesen, um sich inspirieren zu lassen. Da liest man so verrückt frische Sätze wie den hier: Den Markt, der uns hat, regeln die Automatismen ja vielleicht ausgezeichnet, abgesehen von der Kleinigkeit, dass die Summe suizidal ausfällt. Und gleich der nächste: Wir müssen uns dazu befreien, eine neue Gesamtentscheidung treffen zu können und zu wollen. Seine These, für die gesellschaftliche Erneuerung Spiritualität zu bemühen, ist auch 22 Jahre später noch aktuell.

Donnerstag, 24. September 2009

Gott ist meine Welt

Was für ein Titel. Nun, es geht nochmals um nichts – besser um das Nichts, was ja schon sprachlich recht bizarr ist, denn normalerweise bezeichnet jedes Substantiv ein Etwas.

Nichts – aus der Perspektive der dritten Person, also objektiv – kann es gar nicht geben, zu schwer wiegt die Materie unseres Universums, zu offensichtlich die Energie nur schon unserer Sonne.

Das Nichts kann natürlich immer nur aus der Erste-Person-Perspektive, also subjektiv, ernsthaft gemeint sein.

Jeder Mensch mit seinem Bewusstsein, seinem Selbstbewustsein, seinen epistemischen Fähigkeiten und seiner Neugier lebt letztlich nur in seiner eigenen Welt.

Natürlich kann und muss man sich austauschen mit anderen Menschen, was erfahrungsgemäß aber ein sehr schwieriges Geschäft ist, eben gerade weil jeder in seiner eigenen Welt lebt, seine eigene Vorgeschichte, seine eigene Biographie mitbringt, Emotionen und Motive im biografischen Kontext zu einer einmaligen Lebensgeschichte, zu einem einzigartigen Universum geformt sind.

Die private Welt eben.

Somit werden Mitteilungen anderer Menschen, auch wenn wir formal die genau gleiche Sprache benutzen, in einem je individuellen Kontext verschieden interpretiert. Kommunikation ist deshalb – dem Duden zum Trotz – vor allem eine endlose Geschichte von Missverständnissen, Unterstellungen und Fehlinterpretationen. Trotz ätzender Redundanz...

Wir sind aber durch die Evolution auch hinsichtlich der Fähigkeit zur Informationsverarbeitung optimiert worden, sonst wären andere an unserer Stelle.

Und deshalb wohl wähnen wir einander zu verstehen.

Wir verstehen, was uns in den Kram passt, was zu unserer Biografie, zu unserem Kontext passt. Die eigene Welt wird sowohl kognitiv als auch neurophysiologisch betrachtet, im Wesentlichen konstruiert. Mit diesem Konstrukt von Welt im Kopf wähnen wir die Welt da draußen zu begreifen. Deshalb diskutieren wir auch nicht mit anderen, um die objektive Welt besser verstehen zu können, sondern überwiegend darum, um unsere bereits konstruierte Welt von den anderen „falschen“ Konstrukten abzugrenzen und zu verteidigen. Das Bemühen, die eigene Welt widerspruchsfrei zu halten, ist in der Sozialpsychologie auch als Dissonanztheorie beschrieben worden. Nun, das macht das kommunikative Elend nicht besser. Eigentlich sind wir alle mehr oder weniger Autisten.

Zum Thema zurück: Diese, unsere private Welt, die einen einigermaßen realistischen Bezug zur objektiven Welt haben mag, ist auf jeden Fall zeitlich begrenzt. Geburt und Tod setzen die äussersten zeitlichen Grenzmarken. Frankenstein und den Transhumanisten zum Trotz wird das wohl noch mindestens ein paar Jahrzehnte so bleiben.

Die Welt hat ein Anfang und ein Ende. Niemand sorgt sich wirklich über den Anfang. Dass die Welt nicht existierte vor der Geburt, kümmert keinen. Sollte es? Gibt ja Leute, die, sich an ein früheres Leben erinnernd – wähnend, an Seelenwanderung, an ein ewig bestehendes Ich oder Selbst glauben. Andere ziehen dies in Betracht, auch ohne den Schimmer einer „Erinnerung“. Aber das ist Spielerei.

Das Ende ist jedoch das Eingemachte. Letztlich dreht sich – teilweise versteckt und verbrämt – alle menschliche Kulturgeschichte, angefangen bei den Religionen bis hin zur Produktion von Suchtmitteln, um Schlafes Bruder und die Träume, ihn zu überwinden mit welchen Mitteln auch immer.

Stelle ich mir mal kurz vor, ich wäre nicht geboren worden. Was wäre dann?

Die Welt existierte überhaupt nicht! Vollkommenes Nichts.

Perfekt. Da haben wir das Nichts und es wäre kein Problem.

Der Einwand, das gelte ja nur für mich, die Welt existiere weiter in den noch lebenden Menschen, ist absurd. Denn ich habe ja nur eines, mein Bewusstsein. Und wenn ich dieses weg denke, bleibt absolut – nichts. Das gilt aber wohl für jeden Menschen.

Da wir zeitlich begrenzt leben, ist das Nichts nicht nur vor unserem Leben Realität, sondern auch danach. Der Rest ist fraglich/mögliche Transzendenz und Glauben.

Welt, als Konstrukt menschlichen Bewusstseins, existiert nur vorübergehend, wenn auch inzwischen milliardenfach. Aus dem ewigen Nichts steigt für ultrakurze Zeit eine rätselhafte Welt auf und verschwindet sogleich wieder im ewigen Nichts.

Ein kurzer Unterbruch, der komischerweise auf ein ewiges, unendliches Universum oder auf noch mehr verweist.

Merkwürdige Welt. Kein Wunder, brauchen Menschen einen Gott, um diesen Wahnsinn auszuhalten.

Sonntag, 20. September 2009

Grün ist grau

Hier habe ich menschliche Motivation beschrieben, um auf die schier unüberwindbaren Schwierigkeiten bei den Versuchen gesellschaftlicher Regulation, Veränderung oder wie immer man dies nennen will, hinzuweisen:

4. Die Motivation: Die oben skizzierte Entwicklung muss in Zusammenhang mit der menschlichen Motivstruktur als psychischer Voraussetzung für menschliches Verhalten gesehen werden. Die impliziten Motivationen teilt der Mensch mit den höher entwickelten Tieren, insbesondere den Affen. Diese hier zu differenzierenden Motive sind – abgesehen von den trivialen Trieben: Hunger, Durst, sexuelles Verlangen, Schlafbedürfnis – nicht ohne weiteres als derart konstant und zugleich determinierend für die kulturelle Entwicklung wahrnehmbar, da sie uns so selbstverständlich wie der Hunger oder aber explizit, d.h. bewusst gewollt, erscheinen, es aber letztlich nicht sind: Bindungsmotiv, Suche nach Neuem bzw. Erregendem, Leistungsmotiv, Machtmotiv und Hilfemotiv, das phylogenetisch aus der Notwendigkeit der Brutpflege hervorgegangen ist. Auch wenn man nichts von Psychologie versteht, wird klar, dass diese Motive untereinander in Konkurrenz und Konflikt geraten können. Je nach konkreter Lebenssituation ist ein anderes, oder eine andere Kombination dieser Motive gerade dominant und bestimmt unser Verhalten wesentlich mit. Günstige Rahmenbedingungen, wie z.B. massenhaft sprudelnde Ölquellen, begünstigen Erregungssuche, Macht- und Leistungsstreben. Dies führt zur Förderung weiterer Quellen, zur forcierten Weiterverarbeitung von Öl, etc. Motive und ökonomisch-ökologische Rahmenbedingungen verstärken sich so wechselseitig. Kulturelle Entwicklung basiert auf den ökologisch-ökonomischen Rahmenbedingungen und der Motivstruktur, ist somit nichts von der Naturgeschichte verschiedenes. Auch Affen haben je nach Ökologie bereits unterschiedliche kulturelle Besonderheiten entwickelt.

Immer wieder werden gut gemeinte Initiativen, Programme und Aktivitäten gestartet, um Menschen zu überzeugen, dass sie sich im Namen der Vernunft ökologischer verhalten sollen. Das ist fatal. Denn der homo sapiens ist eben nicht der, den sein Name erwarten ließe.

KeineR lebt dafür, dass er oder sie sich logisch korrekt verhält. Fast keineR lebt dafür, um mathematische Gleichungen zu lösen und um sonstwie sich vernünftig zu verhalten. Dies tut man nur, wenn man unbedingt muss. Doch diese Welt ist grau.

Nein, gelebt wird, weil man Freude, Spaß, Glück, Abenteuer, Erfolg und Zuspruch/Beifall haben will. So und nicht anders ist unsere Motivstruktur von der Evolution über Jahrmillionen gebaut worden.


Grüne bzw. ökologische Politik kann nur dann wirklich punkten, wenn sie - wenigstens nebenbei - genau diese Motivstruktur bedient.

Und das scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein.

Wie könnte z.B. "Energiesparen" Glück, Freude, Spaß, etc. hervorrufen?

Schließlich macht es doch Spaß, Michael Schumacher beim ohrenbetäubenden Vernichten von Energie zuzuschauen.

Donnerstag, 17. September 2009

Heute mal ein Bild

Bei meinen Blogstreifzügen das gefunden.

Und der obligate Link zu Wikipedia.

Das Bild - public domain - war dann doch zu verlockend.

Also her mit dem Stilbruch: Fotopixels bei tom-ate...

Müll kommt zurück
Das Geld ist weg, aber der Müll kommt zurück

Und für die, die Lust auf Meer haben.

Sonntag, 13. September 2009

Die Partei für Spirituelle?

Deutschand vor der Wahl - und da bin ich mehr per Zufall über ein schmales Parteiprogramm gestolpert:

die-violetten

Erfrischend und sympathisch, wie diese Kleinstpartei sich positioniert und sich keinen Deut um dröge Realo-Politik kümmern tut...

Der spirituelle Weg führt von der Ego-Zentrik, der bewussten oder unbewussten Verfolgung ausschließlich Ich-bezogener Ziele, zur freiwilligen Entscheidung für den Weg der Liebe, dem bewußten und verantwortlichen Leben zum Wohle aller.

Wir streben eine Gesellschaftsordnung an, in der Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, offene Kommunikation, ökologisches Denken, Gewaltfreiheit, Freiheit im Geistesleben, Menschlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frau und Mann und Toleranz obenan stehen. Wir wissen, dass jeder Mensch nur von seinem Bewusstseinsstand aus denken, fühlen und handeln kann; daher bringen wir allen Verständnis entgegen, wobei wir jedoch jeder Form von Gewalt entschieden entgegentreten.

Da die Erde für alle Menschen die Stätte der Entwicklung zu höherem Bewusstsein ist, setzen wir uns für den Schutz der Natur auf allen Ebenen und den verantwortlichen Umgang mit der Erde ein.

Im Angebot

Vernetztes Denken, Tabubrüche und andere Überraschungen

Suche bei tom-ate

 

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